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Keine Ahnung bei der Berufswahl?

Ali El Oreibi, ein ehemaliger Flüchtling, nutzt den Bundesfreiwilligendienst (BFD) zur Orientierung im deutschen Berufsleben.

Ali El Oreibi orientiert sich für sein Berufsleben über einen Bundesfreiwilligendienst im DRK Pflege- und Seniorenheim "Clara Zetkin"

Ein Interview von Torsten Wieland, LV Sachsen 

Ali ist 21 Jahre und stammt aus dem Libanon. Seit über 3 Jahren ist er in Deutschland. Er verfügt über einen anerkannten Bleibestatus und will sich deshalb beruflich neu orientieren. Seit August 2015 leistet er einen Bundesfreiwilligendienst in DRK Pflege- und Seniorenheim "Clara Zetkin". Bis dahin kannte er den Umgang mit alten Menschen nur in Verbindung mit seinem Großvater.

Was ist Dein Tätigkeitsfeld im BFD?

Ali: Ich arbeite im Bereich der Altenpflege im Seniorenpflegeheim Clara-Zetkin-Heim. Das ist eine Einrichtung des DRK Kreisverbandes Dresden. Zu meinen Aufgaben gehören im Grunde all die Dinge, bei denen die alten Menschen Hilfe brauchen: Wecken, Hygiene, Ankleiden, Essenreichen, Ordnung schaffen in den Zimmern, Toilettengänge und ganz wichtig auch die Beschäftigung.

Wie bist Du dazu gekommen?

Ali: Ich bin seit 21/2 Jahren in Deutschland, vorher habe ich im Libanon Hotelmanagement studiert, aber das wurde in Deutschland leider nicht anerkannt. Ich möchte eine Ausbildung in Deutschland machen, aber dafür muss mein Schulzeugnis anerkannt werden. Bis es soweit ist, sammle ich Erfahrungen im BFD. Im Jobladen – eine Anlaufstelle für Jugendliche – wurde mir der Dienst empfohlen.

Was ist Deine Motivation für den BFD?

Ali: Ich wollte schon lange in der Pflege arbeiten. Ich finde es schön anderen zu helfen. Im Libanon war das für mich nicht möglich. Altenpflegeeinrichtungen gibt es sehr wenige in meiner Heimat. Ich mache jetzt den BFD, um zu schauen, ob der Beruf auch wirklich zu mir passt. Ob es das Richtige für mich ist. Ich habe bereits festgestellt, dass es mir sehr viel Freude macht. Ich bin zufrieden!

Was macht Dir besonders Spaß?

Ali: Wenn ich mit den alten Menschen die Zeit finde und wir miteinander in Ruhe sitzen. Dann fangen sie an zu erzählen – von ihrem Leben, ihren Erfahrungen. Am meisten begeistert es mich, wenn mir die alten Menschen Bilder von früher zeigen, von ihrer Jugend. Dadurch lerne ich sehr viel über Deutschland, über die Traditionen und die Geschichte. Das ist ein schöner Weg, um Deutschland und seine Menschen besser kennnenzulernen.

Was waren bis jetzt besonders schöne oder bemerkenswerte Erlebnisse?

Ali: Eine alte Frau hat mich zu sich gerufen, hat mich herzlich umarmt und geküsst, mir gesagt, dass ich für sie, wie ein Enkel bin. Sie ist für mich wirklich wie eine Oma. Sie war früher Ärztin und ist sehr klug. Sie gibt mir viele Tipps für das Leben.
Oft gehen wir spazieren. Manchmal tanze ich auch mit den Heimbewohnern. Ich möchte, dass die alten Menschen sich wohl fühlen und auch noch Spaß haben. Ich denke, deshalb mögen mich die Meisten sehr. Ich werde sehr gut akzeptiert. Vor allem, dass auch mal ein Mann in der Pflege arbeitet, wird als schön empfunden.
Wegen der Sprache hatte ich am Anfang bei einigen Heimbewohnern Probleme. Manche sprechen so stark den sächsischen Dialekt. Das klingt dann schon fast gar nicht mehr deutsch. [lacht]

Hast Du durch den BFD neue Ansichten entwickelt?

Ali:  Vorher hatte ich großen Respekt vor dem zeitigen Aufstehen, vor der Körperlichkeit der Arbeit. Aber auch die Reaktion der alten Menschen auf mich, machte mir ein wenig Sorge. Aber mittlerweile denke ich, es ist die beste Zeit bis jetzt in meinem Leben. Früher hatte ich keine Ahnung was Pflege ist. Ich habe zwar mit meinem Opa zusammengelebt, aber dabei haben wir – meine Familie und ich – wohl einiges nicht ganz so richtig gemacht. Jetzt habe ich mehr Ahnung, was alte Menschen brauchen, sei es beim Essen, Trinken, was bei den Krankheiten zu tun ist.

Wie ist die Anerkennung in Deinem sozialen Umfeld?

Ali: Viele Freunde aus meinem Land finden das toll. Die fragen mich, wie bist du dazu gekommen – wir möchten das auch. Ich kenne vier Leute, die machen jetzt einen Sprachkurs und wollen auch einmal in die Richtung Pflege gehen. Auch meine deutschen Freunde sagen, dass ist ein schöner Beruf – aber auch sehr schwer.

Was sind Deine Ziele nach dem BFD?

Ali: Ich bin erst seit 4 Monaten dabei und ich habe schon so viel gelernt. Ich habe aber noch viel Zeit vor mir und will noch viel, viel mehr lernen! Nach dem BFD möchte ich auf jeden Fall eine Ausbildung in der Pflege machen.

Wie schätzt Du die Bildungsangebote ein?

Ali: Bei der Seminarwoche in Chemnitz habe ich viele Freunde kennengelernt. Wir haben vormittags und am frühen Nachmittag gelernt. Danach haben wir viel miteinander unternommen: Klettern, Bowling, Abendgestaltung – das war richtig schön! Es war Zeit für alles – Lernen und Spaß. Jetzt freu ich mich auf die nächste Seminarwoche in Schleife – insgesamt gibt es drei Seminarwochen.

Was würdest du anderen Interessierten mit auf den Weg geben ?

Ali: Für Nichtdeutsche ist das Wichtigste das Erlernen der Sprache. Altenpfleger ist ein toller Beruf. Wenn jemand Interesse daran hat, aber noch unentschlossen ist, sollte er einen Freiwilligendienst nutzen, um zu schauen, ob es wirklich das Passende ist.


Wer jetzt Lust bekommen hat, als Bufdi (Bundesfreiwilligendienstler) tätig zu werden, kann sich gern bei uns melden - info@drk-dresden.de

 

 

11.02.2016 (Allgemeines, DRK Altenpflegeheim Pieschen, DRK Pflege- und Seniorenheim "Clara Zetkin", Presse, Top Thema, Bereitschaft)